Rainer Mahr ( Copyright)
Körperpsychotherapie zwischen Psychoanalyse und Physik
Über die Körperpsychotherapie schreibe und reflektiere ich als Bioenergetischer
Analytiker. D.h., all meine Überlegungen basieren auf meinen Erfahrungen mit dem Konzept der Bioenergetischen Analyse und ich vermute, daß damit auch Fragestellungen und
Entwicklungen anderer Schulen angesprochen werden. Ohne meine eigene bioenergetische Orientierung über Bord werfen zu wollen, interessiert mich die Zukunft der Körperpsychotherapie
insgesamt weit mehr als die einzelner Schulen. Denn die wirklich wirksamen Elemente unserer Konzepte tauchen mit der Zeit in vielen Körpertherapien auf - entweder durch
`Neuentdeckungen` oder durch Nachahmung.
In der gegenwärtigen Diskussion über körpertherapeutische Konzepte spielen die Versuche
eine große Rolle, Körperpsychotherapie und Psychoanalyse miteinander zu verbinden. Bekannt sind vor allem die Ansätze von Tilmann Moser, Günter Heisterkamp, Peter Geißler. Jaques
Berliner. Lowen, der Begründer der Bioenergetischen Analyse, spricht zwar immer von den zwei Säulen therapeutischer Arbeit- der Körperarbeit und der Analyse. Aber die analytischen
Vorstellungen waren für unsere europäichen und psychoanalytischen Geister oft zu undifferenziert. Immer wieder, wenn es zu Problemen mit den bioenergetischen Konzepten kommt, wird
nach einem Ausweg, nach einer Unterstützung durch die Psychoanalyse gesucht. Das ist oft sehr hilfreich und anregend. Besonders gut scheint diese Synthese Günter Heisterkamp gelungen
zu sein.
Ein zentraler Punkt seiner Kritik an Lowens Konzept ist dessen Unterscheidung zwischen der
Arbeit mit dem Körper und der Arbeit an den psychischen Konflikten, die diese Arbeit hervorbringen. Es wird ihm entgegengehalten, daß er auf diese Art und Weise die Person in zwei
Teile spaltet, einen neuen Leib Seele Dualismus produziert, ein ganzheitlicher Ansatz nicht mehr zu verwirklichen sei.
Diese Kritik hat mich aufhorchen lassen. Welche Haltung habe ich eigentlich in
meiner Arbeit zu dieser Frage? Arbeite ich mit einem ganzen Menschen, oder wechsle ich vom Körper zur Seele, benutze ich den Körper, um die Seele hervorzukitzeln, die sich irgendwo
hinter einem Muskelpanzer versteckt hat? Allmählich dämmert mir, daß neben vielen theoretischen und methodischen Fragen und Ungereimtheiten ganz andere Themen verhandelt werden, zum
Ausdruck drängen. Die Körperpsychotherapien sind nicht nur neue, vielleicht effektivere Therapieformen. Sie enthalten kritische Anfragen an das Selbstverständnis der Psychotherapie
überhaupt. Körpertherapeuten vertreten in Bezug zum Leib - Seele Dualismus ein klares materialistisches Weltbild und stehen damit in absolutem Widerspruch zur Welt des Psychischen,
in der sie sich tagtäglich bewegen. Die grundlegensten Aussagen der Körperpsychotherapien heißen :
1. Psychotherapie ist Körpertherapie
2. Psychotherapie ist Energiearbeit.
1. Psychotherapie ist Körpertherapie.
Die Körperpsychotherapien gehen davon aus, daß seelische Schwierigkeiten und
Störungen sich in irgendeiner Form in der organischen Struktur eines Menschen niederschlagen. Die Lösung solcher Probleme findet ebenfalls ihren Ausdruck in einer veränderten
Körperhaltung, in einem lebendigeren Gesichtsausdruck, usw. Über diese Hypothesen zu streiten, ist eigentlich müßig. Tagtäglich werden sie im Umgang der Menschen untereinander
bestätigt, und auch in der klassischen Medizin werden sie als Formen funktioneller Störungen beschrieben. Angst versuchen die Menschen z.B. häufig dadurch zu meistern, daß sie ihren
Atem flacher werden lassen. Kann die Angst nicht mehr kontrolliert werden, steigen Atem- und Pulsfrequenz extrem an, es kommt zu Panikattacken. Daß man mit Körperbewegungen und
Körperkontakt psychische Befindlichkeiten beeinflussen kann, auch dafür gibt es unendlich viele Beispiele: Depressive Stimmungen werden durch Bewegung aufgehellt, Liebesbeziehungen
leben oder verkümmern mit den Möglichkeiten körperlicher Kommunikation und Interaktion.
In dieser Beschreibung, die ich eben gegeben habe, kommt es immer zu
einer Interaktion zwischen Körper und Seele. Sie erscheinen als ähnliche, ebenbürtige Partner, die irgendwie miteinander in Beziehung stehen. Wir haben uns angewöhnt, das Psychische,
die Seele, gleichberechtigt neben den Körper zu stellen, der Psyche sogar eine größere Bedeutung im Leben des Menschen zuzuschreiben.
Ist das wirklich wahr? Gibt es wirklich die objektiven Beweise dafür, die wir immer für
wissenschaftliche Aussagen fordern? Existiert das Psychische wirklich oder ist es nicht vielleicht doch nur ein Konstrukt, mit dem wir versuchen, Verhalten und bestimmte Äußerungen
des Menschen zu beschreiben und zu verstehen? Vielleicht ist es nach den vielen Auseinandersetzungen um materialistische Weltbilder einfach tabu geworden, nach der realen Existenz
der Seele zu fragen. Wir nehmen vielleicht das Konstrukt einfach als Faktum, tun so, als beschäftigen wir uns mit einer objektiven Realität.
Die Betonung der Körperlichkeit in der Psychotherapie bedeutet weit mehr als die
Einführung einiger Körpertechniken, um die seelischen Vorgänge in einem Menschen besser wahrzunehmen und zu spüren: Die Körperpsychotherapie verweist auf die Tatsache, daß es ohne
Körper überhaupt keine Gefühle, keine seelischen Vorgänge gibt. Die Seele, was immer das auch sein mag, lebt und wirkt nur mit einem Körper, kann sich nur mit ihm und durch ihn zum
Ausdruck bringen. Niemand kann Freude oder Trauer zeigen, wenn er nicht seine Muskulatur in einer Weise verändern kann, daß andere Menschen seinen Gesichtsausdruck als traurig oder
freudig definieren können. Diese Muskulatur kann er aber nur verändern, wenn die Stoffwechselprozesse ablaufen können, mit denen diese Muskeln bewegt, gehalten oder losgelassen werden.
Auch andere Verhaltensweisen und geistige Einstellungen machen Umstrukturierungen im Köper, im Nervensystem, im Hormonspiegel oder sonst irgendwo erforderlich.
Wenn ich effektive Psychotherapie betreiben will, auch wenn es sich um eine
Gesprächs- oder Verhaltenstherapie handelt, immer muß ich versuchen, Veränderungen im Ablauf eines Körperprozesses zu ermöglichen.
Es mag trotzdem sein, daß es das Seelische an sich gibt. Aber wir kennen es nur als
Ausdruck von funktionierenden Körperfunktionen, und unser Leben hat seinen Wert nicht nur durch diese Körperfunktionen, sondern durch den seelischen Ausdruck, den sie bewirken.
Um dies zu verdeutlichen, können wir uns diese modernen Computer anschauen, was die
alles können. Sie können nicht nur Briefe schreiben in den schönsten Schriften. Sie malen die buntesten Bilder und kreieren die aufregensten Melodien. Aber das ist nicht wahr! Der
Computer schreibt nicht, er malt nicht und er singt auch nicht. Das Einzige, was er wirklich kann, ist rechnen. Er ist eine ganz simple Rechenmaschine, die nur 0 und 1 addieren oder
substrahieren kann. Für den Benutzer des Computers ist dieser Umstand uninteressant. Für ihn ist es nur wichtig, daß er ihn so beeinflussen kann, daß seine Bilder gemalt und seine
Melodien gesungen werden.
Der Fachmann aber, der den Computer dazu bringen will, etwas anderes zu tun, kann
diesen Umstand, eine Rechenmaschine vor sich zu haben, nicht ignorieren. Nur die Bereitschaft, dies anzuerkennen und die präzise Kenntnis in die Struktur der Rechenmaschine befähigt
ihn, den Cumputer weiterzuentwickeln oder Störungen zu beheben.
In der Arbeit mit den Klienten ist es natürlich notwendig, sich mit ihrer Trauer zu
beschäftigen, ihren Schmerz in uns selbst spüren zu können - also auf der Ebene des Seelischen zu agierien. Wenn wir aber verstehen wollen, was wir wirklich machen, wenn wir Wege
finden wollen, dieses Geschehen zu beeinflussen, dann müssen wir möglichst exakt wissen, wie dieses System Mensch strukturiert ist und funktioniert.
Solange wir nicht nach der realen Beziehung und Wechselwirkung fragen zwischen psychischen
Phänomenen und ihrer körperlichen Basis, hat unser psychotherapeutisches Theoriengebäude kein festes Fundament. Wir setzen mit unseren Interventionen die verschiedensten Impulse,
warten und hoffen, was dann irgendwann geschieht. Natürlich haben wir viele Beschreibungen und Erklärungen dafür, wie die Wirkung zustande kommt. Doch genau besehen sind viele dieser
Theorien Meinungen, die weitergegeben werden und an die geglaubt wird. Die Bioenergetische Analyse glaubt z.B., daß sie mit ihren Übungen den Körper oder Körperteile eines Menschen
energetisch auflädt, daß der aufgeladene Körper sich dann spontan entlädt, die Muskulatur entspannt, Energie und Emotionen im Körper frei fließen können. Nirgends wird aber
definiert, was unter Energie zu verstehen ist. Geht man davon aus, daß die Bioenergetische Analyse eine Therapieform ist, die dem abendländisch naturwissenschaftlichen Denken verpflichtet
ist, dann muß ihr Konzept auch mit diesen Kategorien betrachtet werden. Alles, was im menschlichen Körper passiert, muß dann mit den Begriffen und Vorstellungen beschrieben werden,
die der abendländischen Anatomie und Physiologie über den Menschen entsprechen. Das bioenergetische Energiekonzept wird dieser Forderung nicht gerecht, teilweise erscheint es sogar
als falsch. Es gibt vor, die Entstehung bestimmter Effekte zu beschreiben oder gar zu erklären, kann diesen Anspruch nur behaupten, aber nicht einlösen. In der praktischen Arbeit mag
dieser Umstand vielleicht nicht so entscheidend sein. Die Klienten suchen und schaffen sich meist ihren eigenen Weg und Prozeß, wenn wir ihnen den notwendigen Raum lassen. Oder wir
suchen uns andere Arbeitswege, wenn die energetischen Konzepte versagen.
Da wir aber immer an dieses Konzept geglaubt haben, konnten wir bislang
keine spezifischen und differenzierten Arbeitstechniken entwickeln. Wir haben es noch nicht einmal für wichtig angesehen, energetische Konzepte anderer Therapieschulen mit unserem zu
konfrontieren, und diese gegebenenfalls zu modifizieren.
Da wir bislang noch nicht auf die Idee gekommen sind, ernsthaft zu definieren, was wir
unter Energie zu verstehen haben, ist uns völlig entgangen, auf welches Gebiet wir uns eigentlich begeben haben mit unserem Anspruch, psychische Befindlichkeiten mit energetischen
Prozessen modifizieren zu wollen. Da nach naturwissenschaftlichen Vorstellungen Energie viel mit Physik und Chemie zu tun hat, würde das bedeuten, daß wir mit materiellen und nicht
mit geistigen oder seelischen Methoden zu heilen versuchen, wenn wir Energiearbeit machen - oder? Natürlich sprechen wir auch von den seelischen und geistigen Energien und Kräften in
einem Menschen, und wir spüren sie auch manchmal. Doch diese Beschreibungen gibt es nur in Analogie zu unseren materiellen, physischen Energievorstellungen. Auch die Körperenergien,
von denen im bioenergetischen Energiekonzept die Rede ist, sind physiologischer und nicht geistig-seelischer Natur. Genau hier mag auch ein Grund für viele Mißerfolge von Körper-
oder Energiearbeit liegen: Mit einem geistig - seelischen Konzept wollen wir physikalische und physiologische Prozesse beeinflussen. Jeder versteht zwar den Satz, daß ein Mensch zu
wenig Energie hat und auftanken muß. Nach einer Therapiestunde, in der wir ihm empathisch zugehört haben, er auch einige Körperübungen gemacht hat, fühlt er sich vielleicht auch
energetischer. Mit dieser Art von Beschreibung ist aber nichts darüber gesagt, was wir auf der physiologischen Ebene gemacht haben oder tun müssen, um diesen Zustand zu erreichen.
Diese Beschreibung muß physiologischer Natur sein, wenn sie den Prozeß erklären will und Handlungsanweisung werden soll.
2. Psychotherapie ist Energiearbeit.
Dieser Satz ist banal und aufregend zugleich. Banal ist er, weil es nichts auf dieser
Welt gibt, was nicht Energie ist. Die elementaren Einheiten, aus denen alles geschaffen ist, was es in dieser Welt gibt, Steine, Wälder, Seen, Tiere, Menschen, alles besteht aus
Energie. Alle Äußerungen, die geistigen und seelischen Pozesse sind Produkte von Energie. Wenn wir mit unseren Klienten Psychotherapie machen, dann geht es immer um die Beeinflussung
und Modifizierung von energetischen Situationen oder Strukturen. Dabei ist es völlig gleichgültig, welche Therapieform wir wählen. Wir können gar nichts anderes machen als
Energiearbeit.
Körper,Geist und Seele sind nur so lange aktiv und lebendig, so lange die
wesentlichen Stoffwechselprozesse funktionieren. Stoffwechselprozesse zeichnen sich dadurch aus, daß sie Energien in einer Weise zubereiten, daß sie Organe oder
Organsysteme antreiben können. Wir haben oft den Eindurck, daß es sehr viele, unterschiedliche Energien gibt: Holz, Kohle,Benzin, Wasser, Fleisch, Kartoffeln, Atem usw. Dabei handelt
es sich aber immer nur um unterschiedliche Formen ein und derselben Energie. Es sind Unterschiede wie zwischen Wasser, Dampf, Schnee und Eis. Energie ist immer elektrische Energie,
und genau betrachtet, elekromagnetische Energie. Wenn bei einem Stoffwechselprozeß z.B. Nahrung in Form von Zucker mit Sauerstoff verarbeitet, durch Oxydation verbrannt wird, dann
werden Elektronen freigesetzt, an das sog. ATP gebunden und zur universellen Energieform für den Organismus. Der alles entscheidende Teil der Nahrung, den wir brauchen und aus ihr
herauskristallieren, sind Elektronen. Auch die Aufrechterhaltung der Zellstuktur geschieht durch ein sehr komplexes elektisches System. Unser Nervensystem hat die Vorteile
digitalisierter Datenübertragung schon lange vor der Entdeckung von Computern eingeführt. Alle Steuerungsvorgänge zwischen Gehirn und Körper, die Speicherung aller Informationen, auch
geistiger und seelischer Art erfolgt offensichtlich in den elektrischen Einheiten oder Zuständen, den sog. Bits.
Um die Lebensprozesse des Menschen in den Kategorien elektrischer Energie zu beschreiben,
muß man nicht die Vorstellungswelt der klassischen Medizin verlassen. Mit jedem Physiologiebuch kann man sich in diese Sichtweise einarbeiten.
Bei der Beschreibung des Lebendigen sind wir gewohnt, die Zelle als kleinste Einheit
zum Ausgangspunkt für unsere Überlegungen zu machen. Mit der Berücksichtigung elektrischer Phänomene für die Aufrechterhaltung des Lebendigen weisen wir aber gerade nicht lebendigen,
sondern materiellen Elementen eine Schlüsselrolle zu, nämlich elektrischer Energie. Auch das ist keine Sensation, denn schon immer heißt es, daß Zellen aus Molekülen bestehen,
Moleküle aus Atomen und Atome aus den verschiedensten elektrisch unterschiedlich geladenen Teilchen.
Um besser zu verstehen, was auf dieser Ebene wirklich passiert, müssen wir uns von der
modernen Physik, der Quantenmechanik, der Relativitätstheorie informieren lassen, Wissenschaften, die Psychologen eher meiden und wenig schätzen. Dieses Defizit will und kann ich
hier nicht schließen, will nur einige Phänomene benennen, die für unsere Betrachtung relevant sein können:
Von den Elementarteilchen hat man inzwischen eine ganze Reihe gefunden. Experimente
haben aber gezeigt, daß die gewohnten Vorstellungen von verschiedenen, stabilen Bausteinen, aus denen die Materie und die Welt zusammengesetzt ist, nicht mehr zutreffen. Die Materie
ist kein festes, objektives, unwandelbares und exakt definierbares Gebilde. Sie existiert auf der subatomaren Ebene nicht mit Sicherheit an bestimmten Orten, sondern zeigt lediglich
die ´Tendenz´ zu existieren. Alle Elementarteilchen können ineinander übergehen. Sie entstehen aus Energie, verwandeln sich in andere Elementarteilchen und lösen sich wieder in Energie
auf. Wo und wann dies geschieht, kann nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden.
Die für uns und unser Leben vielleicht wichtigsten Elementarteilchen sind die Photonen,
manchmal auch Biophotonen genannt. Es gibt sie in unendlicher Menge im gesamten Universum, sie sind durch kein Metall, keinen Beton aufzuhalten.
Die Photonen sind Teilchen ohne Masse und Ausdehnung. Sie haben eine bestimmte Portion
Energie, die sie mit Lichtgeschwindigkeit in eine bestimmte Richtung und als linearen Impuls transportieren, und sie haben einen Spin, d.h. sie drehen sich um sich selbst. Damit
bilden sie die kleinsten Einheiten elekromagnetischer Wellen und sie besitzen eine bestimmte Frequenz. Das bedeutet aber auch, daß sie strahlen. Durch diese Strahlung können Photonen
untereinander in Interaktion treten. Es kommt zu einer energetischen Anreicherung und schließlich zur Bildung von Elektronen.
Natürlich kann ich hier mit einigen Sätzen nicht adäquat beschreiben, was sich in diesem
subatomaren Bereich alles abspielt. Für meine Fragestellung bedeutsam ist aber, daß auch diese Elektronen über die Photonenstrahlung in Interaktion miteinander treten. Es werden
Impulse ausgetauscht, und diese Impulse werden gespeichert. D.h., die Elektronen machen so etwas wie Erfahrungen, können in gewissem Sinn lernen. Dies aber, so denke ich, sind
wesentliche Elemente geistiger Prozesse. Denn die Aufnahme, Speicherung,Verarbeitung und Weitergabe von Informationen sind die entscheidenden Aktivitäten geistiger Tätigkeit.
Das würde aber bedeuten, daß dieser subatomare Bereich, aus dem ja die gesamte
Materie besteht, geistige Strukturen aufweist und zu geistigen Prozessen fähig ist. Ich denke nun, daß psychische Erfahrungen und psychisches Erleben prinzipiell ähnlich strukturiert
ist - aufnehmen, speichern und weitergeben von Erfahrungen und Informationen. Dann müßte man sagen können, daß im subatomaren Bereich Strukturen bestehen, die denen im geistig
- seelischen Bereich entsprechen oder ähnlich sind. Oder: die Materie ist geistbegabt.
Diese Sichtweise stellt natürlich das Menschenbild in Frage, das sich als die absolute
Vollendung und Krönung im Universum zu feiern versucht. Wir wären dann nichts anderes als eine bestimmte Ausformung oder ein spezifischer Ausdruck im gigantischen
Kummunikationsgeschehen im Universum.
Umso mehr ich mich auf solche Vorstellungen einlasse, umso mehr kann ich mich dafür
auch begeistern. Zwar weiß ich nicht, warum und wozu, aber ich bin in diesem universalen Prozeß eingebunden, gehöre dazu, gleichberechtigt wie Sonne, Mond und Sterne oder all die
anderen Erscheinungen in diesem Universum.
Bei dieser Sichtweise und Beachtung der subatomaren Strukturen und ihrer Wirkweisen gibt
es prinzipiell keine Trennung mehr zwischen Seele, Geist und Körper. Das einigende Element ist die geistig - seelische Struktur der Energie.
Aus diesen Gründen komme ich zu der Ansicht, daß Psychotherapie, in welcher Form auch
immer, Energiearbeit ist. Immer geht es darum, die energetischen Strukturen im Menschen zu beeinflussen, zu optimieren. Manchmal ist dies über die Sprache, die Imagination, über
Denkprozesse, möglich, ein anderes Mal gibt es einen besseren Zugang über Bewegung, Berührung, über Körperinterventionen. Welcher Weg unter welchen Bedingungen besonders günstig ist,
muß Gegenstand psychotherapeutischer Forschung sein, die es in dieser Dimension eigentlich noch gar nicht gibt.
Bei allen Unterschieden zwischen psychotherapeutischen Schulen gibt es
Übereinstimmung darin, daß Psychotherapie ein Geschehen ist zwischen einem Klienten und einem Therapeuten. Der Beziehungsaspekt hat einen großen Stellenwert besonders bei den
Schulen, die mit Konzepten von Übertragung und Gegenübertragung arbeiten.
Wenn psychotherapeutisches Geschehen aber ein energetischer Prozeß ist, dann müßte sich
auch das Beziehungsgeschehen energetisch erklären lassen:
Ich habe bereits gezeigt, daß das energetische Geschehen im subatomaren Bereich
elekromagnetisch strukturiert ist, daß Frequenzen entstehen, daß Informationsaustausch stattfindet. Vergleichen läßt sich dies mit dem, was zwischen einem Radiosender und einem weit
entfernten Radioempfänger passiert. Der Sender produziert eine Strahlung von einer ganz bestimmten Frequenz, mit der er Informationen in Form von Musik oder Sprache in den ihn
umgebenden Raum ausstrahlt. Wenn der Empfänger nun genau auf die Frequenz des Senders eingestellt wird, wenn die Energie des Senders stark genug ist, und wenn die
Empfindlichkeit oder Sensibilität des Empfängers hoch genug ist, dann kann man im Empfänger die Informationen des Senders hören oder sehen. Ganz entscheidend ist die Übereinstimmung,
die Resonanz zwischen Sender und Empfänger.
Wenn nun der menschliche Organismus aufgrund seiner subatomaren, elektomagnetischen
Struktur aus einer Unmenge von Frequenzmustern besteht, die von anderen Menschen empfangen werden können, wenn ihr Empfangssystem auf die jeweiligen Frequenzmuster eingestellt ist,
dann ist zwischen Menschen Kommunikation möglich, ohne miteinader zu sprechen, sich zu sehen, zu hören oder zu berühren. Diese Art von Kommunikation möchte ich als
Beziehung beschreiben, eine Konstellation, in der alle Beteiligten in Resonanz miteinander sind. Diese Resonanz ist nicht identisch mit Harmonie. Sie bedeutet vielmehr, daß man sich
auf dieser subatomaren oder energetischen Ebene wahrnehmen kann.
Eine therapeutische Beziehung besteht dann darin, daß Klient und Therapeut in Resonanz
sind. Vor allem der Therapeut muß in der Lage sein, seinen Sender und seinen Empfänger in optimale Resonanz zum Klienten zu bringen. Dann fühlt er plötzlich die Einsamkeit seines
Gegenüber oder er spürt den Schmerz des Klienten in seiner eigenen Brust. Umgekehrt kann die akzeptierende Haltung des Therapeuten in den hintersten und tiefsten Ecken des Klienten
wahrgenommen werden und ihre Wirkung entfalten. Beziehung und vor allem therapeutische Beziehung ist, so gesehen , kein mystisches Ereignis, das unerwartet über uns hereinbricht, sondern
ein Kommunikationsprozeß mit physikalischer Basis. Selbst esoterische Fähigkeiten und Begegnungen werden mir auf diesem Hintergrund plausibel. Wenn ich mit einem normalen
Rundfunkgerät, das im Vergleich zur Struktur des menschlichen Organismus sehr simpel konstruiert ist, Stimmen vom anderen Ende der Welt empfangen kann, warum soll das nicht auch
dieses hoch komplexe System Mensch können, wenn es exakt auf seinen weit entfernten Sender eingestellt ist?
Ich bin mir sicher, daß Vieles, über das ich gerade geschrieben habe, unvollständig ist
oder sogar falsch. Um dies zu vermeiden, hätte ich gar nichts schreiben dürfen oder erst nach langem weiterem Studium. Doch wichtiger als ein fertiges, schlüssiges Konzept ist für
mich die Diskussion und die gemeinsame Entwicklung neuer Sichtweisen und Konzepte.
Ich wollte vor allem darauf hinweisen, daß der Weg der Körperpsychotherapie in eine
Form von `Psychoanalyse mit Körperarbeit´ das große Potential der Körperpsychotherapie außer acht läßt. Außerdem wird die Psychotherapie, in welcher Form auch immer, in absehbarer Zeit
nicht daran vorbei kommen, ihre grundlegenden Hypothesen mit den neuen Erkenntnissen der Naturwissenschaften zu konfrontieren, die derzeit schon dabei sind, unser Menschen- und
Weltbild auf den Kopf zu stellen. Ich denke dabei vor allem an die Erkennnisse der modernen Physik, auch an ihre veränderte Wissenschaftstheorie, an die Physiologie des Menschen, die
Neurobiologie und die Biophotonenforschung.
Mit den Hypothesen, daß Psychotherapie immer Körpertherapie und Energiearbeit ist,
hat die Körperpsychotherapie eine gute Basis, sich auf diese Auseinandersetzung einzulassen. Dabei werden wir und die ganze Psychotherapie von tiefen Identitätskrisen nicht verschont
bleiben. Die Zahl der sicheren Sätze wird geringer und relativer. Die moderne Physik ist mit der Formulierung von Relativitätstheorie und Quantenmechanik schon vor vielen Jahren
in solche eine Krise geraten. Sie hat aber, so denke ich, ganz gut gelernt, mit solchen Unsicherheiten zu leben. Ich denke, auch die Psychotherapie kann lernen, ihre Konzepte
kritisch zu überprüfen und mit entwickelten Modellen und Methoden für die Menschen zu arbeiten.
Rainer Mahr, geb. 1942, Dipl.Theol. Dipl.Paed. Heilpraktiker, Bioenergetischer Analytiker.
Seit 20 Jahren arbeitet er als Therapeut in einer Erziehungsberatung und seit 8 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis. Er beschäftigt sich besonders gern mit den
biologischen, physiologischen und physikalischen Wirkweisen psychotherapeutischer Prozesse.