Rainer Mahr
( Vortrag für das Symposium zum 100. Geburtstag von Wilhelm Reich, 19.4.97, München)
George Downing bekennt in seinem interessanten Buch "Körper und Wort in der Psychtherapie",
daß er die energetischen Konzepte Reichs mit dessen weitreichenden Folgerungen peinlich empfindet. Ich wünsche mir, daß es Ihnen nach meinem Vortrag nicht peinlich sein muß, über
Reichs Orgonenergie nachzudenken und zu reden.
Freud schreibt in seinem Buch, "Aus den Anfängen der Psychoanalyse" : Die " Sprache
der Psychoanalyse (sei) eine provisorisch gewählte, gültig so lange, als sie noch nicht durch die Physiologie ersetzt werden könne...". "Das Lehrgebäude der Psychoanalyse, das
wir geschaffen haben, ist in Wirklichkeit ein Überbau, der irgendeinmal auf sein organisches Fundament aufgesetzt werden soll; aber wir kennen dieses noch nicht." 1
Selbst 1933 erklärt Freud noch gegenüber dem amerikanischen Psychiater Joseph Wortis: "Die
Analyse ist nicht alles. Es gibt andere Faktoren, die dynamischen Faktoren, die wir Libido nennen -die Triebkraft hinter jeder Neurose. Die Psychoanalyse kann auf sie keinen
Einfluß nehmen, weil sie eine organische Grundlage hat... Wir können damit rechnen, daß der organische Teil in Zukunft einmal aufgedeckt werden wird. Solange die organischen Faktoren
unzugänglich bleiben, läßt die Psychoanalyse noch viel zu wünschen übrig."2
Diese Zitate zeigen, daß mit der Psychoanalyse von Anfang an die Frage verbunden ist nach den
physischen Kräften, den energetischen Prozessen, die für die Entwicklung von Neurosen verantwortlich sein könnten. Da Freud selbst Naturwissenschaftler war und in einer Zeit lebte,
die von naturwissenschaftlichen Denkmodellen geprägt wurde, ist diese Haltung sehr verständlich. Während Freud sich dann aus verschiedenen Gründen von dieser Sichtweise
wegentwickelte, ist sein Schüler Wilhelm Reich sein ganzes Leben lang dieser Fragestellung verbunden geblieben: Wie lassen sich psychische Funktionen in physiologischen Begriffen
darstellen?
Als Reich in seiner Kopenhagener Zeit mit massiven körperlichen Schockreaktionen eines Patienten
konfrontiert wurde, begann er, sich verstärkt mit physiologischen Ausdrucksformen von Angst zu beschäftigen.
Dazu übernahm er das Konzept über vegetative Srömungen im Körpergewebe von Friedrich Kraus. Nach diesem
Konzept kommt es in der Gewebsflüssigkeit des Körpers zu osmotischen Bewegungen, die das bioelektrische Potential der Zellen verändern können. Es gibt hier nicht nur die elektrische
Aufladung, sondern auch die Tendenz, die Ladung auszugleichen, es kommt zu Strömungen innerhalb des Gewebes. Alle Lebensvorgänge müssen ausschließlich auf diese elektrolytischen
Prozesse im Gewebe zurückgeführt werden.
Reich veränderte in diesem Zusammenhang seine Orgasmustheorie von Aufladung und Entladung: Als Orgasmus
versteht er nun eine elektrophysiologische Auf- und Entladung, ein Wechselspiel zwischen Körperflüssigkeiten und bioelektrischem Potential.
Um die Prozesse der Körperflüssigkeiten als grundlegende Rhythmen des Lebendigen besser verstehen
zu können, beginnt er seine Untersuchungen an einzelligen Lebewesen unter dem Mikroskop. Es war nämlich bekannt, daß die Bewegungen dieser Lebewesen durch den Fluß oder den Ausgleich von
Flüssigkeiten mit hoher und geringer Konzentration zustande kommen.
Als Ergebnis dieser Forschungen formulierte er ein Konzept, über Expansions- und Kontraktionsvorgänge
im vegetativen Nervengeflecht. Das vagische System beherrscht die Sphäre der libidinösen Expansion, das sympathische beherrscht die Sphäre des Rückzugs, der Flucht. Es entsteht eine
sogenannte Pulsation.
Die Proben für diese Experimente mit Einzellern werden durch Heuaufgüsse gewonnen. Dabei
beobachtete Reich mehr zufällig die Bläschenbildung, die beim Zerfall des Heugewebes allmählich entsteht. Er stellte fest, daß diese Bläschen dazu tendieren, sich in unterschiedlicher
Weise zu strukturieren. Es kommt zu Anziehung und Abstoßung untereinander, zur Rotation einzelner Bläschen und des gesamten Haufens, zu Verschmelzungen und zu sehr feinen
Kontraktions- und Expansionsbewegungen.
Reich untersuchte diese Phänomene mit vielen organischen und anorganischen Präparaten, auch mit
sterilisierten. Die beschriebenen Reaktionen traten immer dann auf, wenn die Proben elektisch aktiv waren. Elektrisch neutrale Präparate erwiesen sich als nicht kultivierbar.
Reich nennt diese Gebilde "Bione".
Bei entsprechenden Experimenten an Tumorkranken Mäusen zeigt sich eine heilende oder Krankheitshemmende
Wirkung durch die Infizierung mit diesen Bionen.
1939 erhitzte Reichs Assistentin bei der Herstellung von Bionen versehentlich Meeressand statt Erde.
Dabei entstanden die sog. Sapa-Bione, Gebilde mit ähnlichen aber ausgepägteren Eigenschaften als die Bione. Bei ihrer Untersuchung durch das Mikroskop bekam Reich regelmäßig eine
Bindehautentzündung. Wurde ein Reagenzglas mit Sapakulturen an die Haut gelegt, errötete sie nach einer gewissen Zeit. Reich hielt solch ein Reagenzglas gegen eine Warze auf seiner
Wange. Er wußte daß sie T- Bazillen enthielt. Nach wiederholter Anwendung war die Warze ausgetrocknet, die Bazillen abgestorben. Beobachtungsversuche im dunklen Kellerraum brachten
die Gewißheit, daß diese Kulturen ein grau- blaues Licht ausssenden.
Die Vermutung, daß diese Bione strahlen, konnte mit weiteren Experimenten verifiziert werden. Die
Hypothese, daß es sich um eine bio - elektrische Strahlung handelt , bestimmt seine weitere Forschung in den USA.
Die Strahlung der Sapa- Bione nennt Reich "Orgon" und "Orgonenergie". Denn ihre
Entdeckung war die Folge seiner Hypothese von der Spannungs- Ladungs- Formel, der Orgasmustheorie.
Mit einem isolierten Metallbehälter wollte er dann die Strahlungsintensität der Sapakulturen
überprüfen. Dazu richtete er einen Metallbehälter mit Sapakulturen ein und einen identischen Behälter ohne Kulturen, in der Erwartung, daß im Kontrollbehälter keine Strahlung
auftritt. Doch auch der Kontrollbehälter zeigt Leuchteffekte. Das legte die Vermutung nahe, daß die beobachtete Strahlung unabhängig von den Sabakulturen, möglicherweise unabhängig
von der Wirkung organischer oder anorganischer Substanzen existieren muß.
Ähnliche Leuchteffekte entdeckte er dann bei der intensiven Beobachtung des Sternen himmels.
Die Arbeiten mit dem isolierten Metallbehälter führten zur Entwicklung des Orgonakkumulators und zu
Versuchen über physikalische Vorgänge im Akkumulator:
Mit vielen Experimenten wies Reich nun Temperaturdifferenzen , verlangsamte elektroskopische
Entladungen , fluorometrische Effekte, Wirkungen auf fotographische Platten, visuelle und sensorische Eindrücke von Versuchspersonen nach. Er versuchte erfolgreich den Akkumulator in
der Krebstherapie einzusetzen und experimentiert schließlich mit Radium im Akkumulator auf der Suche nach therapeutischen Möglichkeiten für die Strahlentherapie. Dieses sog.
"Oranur - Experiment" erhöht die Strahlung des Radiums im Akkumulator im Vergleich zur Versuchsanordnung ohne Akkumulator so dramatisch, daß das Experiment abgebrochen,
alle Beteiligten evakuiert werden mußten. Reichs Frau mußte für 6 Wochen wegen schwerer Strahlensymptome in die Klinik. Dieser Zwischenfall brachte die Forschungsarbeit weitgehend zum
Erliegen, viele seiner Freunde begannen sich in Angst von ihm abzuwenden.
Reich war kein kauziger Einzelforscher. Er hat immer wieder Ideen und Konzepte anderer Wissenschaftler
aufgegriffen und sich durch sie inspirieren und herausfordern lassen. Viele seiner Experimente hat er von anderen Forschungslabors überprüfen lassen und mit ihnen diskutiert. So
konnte er auch Albert Einstein dazu bewegen, die Experimente im Orgonakkumulator zu überpüfen.
Besonderes Augenmerk galt dabei dem Phänomen der Temeraturdifferenz zwischen dem Bereich über dem
Akkumulator und der übrigen Umgebung von 0,3°bis 1,5°C in geschlossenen Räumen. Die Verifizierung hätte nach Einsteins Einschätzung eine Bombe für die Physik bedeutet. Seine
Arbeitsgruppe hat Reichs Ergebnisse bestätigt, sie nur anders interpretiert. Reichs Einwände gegen diese Folgerungen hat Einstein nicht mehr verfolgt, weil er nicht mehr Zeit für die
weitere Beschäftigung mit dem Orgonakkumulator aufbringen wollte.
Als Reich sich noch mit den energetischen Prozessen im lebenden Organismus beschäftigte, konnte er die
Veränderungen als elektrische oder elektromagnetische Phänomene direkt messen, z.B. durch Veränderugen von Hautwiderstand oder die Strahlungsphänomene der Sababione mit dem
Elektroskop.
Doch was für eine Strahlung war das, die er bei den Akkumulatorexperimenten beobachtet hatte. Sie
existierte ja unabhängig von irgendwelchen organischen oder anorganischen Substanzen. Welches Verhältnis bestand zwischen einer elektromagnetischen Strahlung und seiner Orgonenergie?
Er hielt es für möglich, daß die Orgonenergie Eigenschaften hatte, die man in der allgemeinen wissenschaftlichen Diskussion einer kosmischen Energie zuschrieb.
Ab 1947 experimentierte er mit einem Geigerzähler und dem Orgonakkumulator. Dabei entdeckte er,
daß das Hintergrundrauschen des Geigerzählers, das meist als Indiz für kosmische Strahlung angesehen wird, um mehr als das Doppelte verstärkt wurde, wenn der Geigerzähler längere
Zeit im Akkumulator gestanden hatte. Er wurde dort gleichsam aufgeladen. Als er statt der üblichen gasgefüllten Röhre im Geigerzähler eine Vakuumröhre benutzte, stieg das Rauschen im
Zähler noch einmal an. Außerdem konnte nun in der Vakuumröhre ein blau-violettes Licht beobachtet werden.
Diese Beobachtungen führten ihn zu der Überzeugung, daß die Orgonenergie, die im Akkumulator den
Geigerzähler aufgeladen haben mußte, eine kosmische Energie sein könnte, weil sie selbst im leeren Raum noch so mächtig wirkt.
Vorstellungen von kosmischen Energien entspringen natürlich nicht einer wahnhaften Phantasie von
Wilhelm Reich, sondern haben ein reales, naturwissenschaftliches Fundament. Seit Newton gibt es die Vorstellung des Äthers, die Vorstellung, daß das Weltall von einem unsichtbaren,
massefreien Stoff erfüllt ist, der nicht identisch ist mit der Luft.
Erst zu Reichs Zeiten gab es Experimente, die es sinnvoll erscheinen ließen, die Äthertheorie
aufzugeben. Reich und viele Physiker hatten aber Argumente gegen die durchgeführten Experimente, die die weitreichende Schlußfolgerung nicht zuließen. Einstein hat sich von den neuen
Experimenten überzeugen lassen, obwohl er ürsprünglich an der Äthertheorie festhielt, weil er seine Relativitätstheorie ohne Äthertheorie für unmöglich hielt. Der leere Raum würde
keine physikalischen Eigenschaften besitzen können.
Ich fasse zusammen:
Ausgehend von der Frage nach den Triebkräften im Menschen für neurotische Verhaltensweisen entdeckt
Reich ein Prinzip, nach dem alles Lebendige funktionieren könnte - das Prinzip von Ladung und Entladung, auch beschrieben als Pulsation. Das Studium pulsatorischer Prozesse führt zu
den strahlenden Bionen. Die dabei beobachteten strahlenen Effekte kann er auch ohne entsprechende Kulturen nachweisen , im Akkumulator, in dunklen Räumen und in der freien Natur.
Schließlich beobachtet er die gleichen Phänomene im Vakuum, also im luftleeren Raum. Diese Phänomene bezeichnet er als Orgonenergie. Weil sie überall, auch im Vakuum zu beobachten
ist und viele Ähnlichkeiten mit dem Äther hat, nennt er sie "kosmische Orgonenergie "
Welche Eigenschaften hat dies kosmische Orgonenergie?
1. Orgonenergie ist überall, sie bildet ein ununterbrochenes Kontinuum. Sie variiert lediglich
bezüglich ihrer Dichte und Konzentration. Sie durchdringt Beton ebenso wie Metall. Der Unterschied besteht lediglich in der Geschwindigkeit, mit der dies geschieht: Beton nimmt die
Orgonenergie langsam auf und gibt sie langsam wieder ab. Stahl zieht Orgonenergie stark und schnell an, reflektiert sie aber auch sofort. Metall scheint unfähig zu sein, Orgonenergie
zu halten.
2. Die Orgonernergie kann man sehen. Voraussetzung ist ein dunkler Raum, der innen mit Eisenblech
verkleidet ist. Nach einer Eingewöhnungszeit von 15 - 30 Minuten erscheint der Raum bläulich - grau. Es erscheinen bläulich - violette Lichtpünktchen. "Später, wenn unser
Organismus die Orgonenergie im Raum in ausreichendem Maße erregt hat, entsteht in den Nebelschwaden eine `Konzentration; schnelle, gelblich - weiße blitzähnliche Strichstrahlen
durchqueren den Raum in allen Richtungen ."3 Die Orgonenergie geht aus dem nebelartigen in den strahlenartigen Zustand über, wenn sie erregt oder irritiert wird. Eine solche
Erregung kann hervorgerufen werden durch: metallische Substanzen, durch lebende Organismen im metallverkleideten Dunkelraum und durch elektromagnetische, diskontinuierliche
Feldwirkung.
3. Mit dem Mikroskop kann die Orgonenergie in lebenden Zellen als starke Lichtbrechung beobachtet
werden. Manche Zellstrukturen zeigen eine strahlende Aura um ihre Membran. Sie wird schwächer, wenn die Zellen ihre Orgonladung verlieren.
4. Die Orgonenergie besitzt ein umgekehrtes Potential. D.h. die Orgonenergie fließt vom schwächeren
oder niedrigeren zum stärkeren oder höheren System. Der lebende Organismus bezieht als das stärkere Energiesystem seine Energie von dem niedrigeren Energieniveau, z.B. aus der
Nahrung oder aus der Umgebung, aus Luft, Sonne, dem Universum. Jede lebende Zelle bezieht ihre Energie aus dem umgebenden energetisch niedrigerem Protoplasma.
5. Jeder Organismus oder jedes System besitzt eine spezifische Kapazität an Energie.
Ist diese Kapazität erreicht, braucht das System eine Entladung, um nicht zu platzen. Diese
Entladung geschieht durch mechanische Bewegung, durch Wärmestrahlung oder durch orgastische Zuckungen. Das Hauptmerkmal dieser Orgonenergie in einem Organismus ist die Bewegung.
Gerät sie ins Stocken, kommt es zur Senkung des Kapazitätsniveaus und schließlich zum Zerfall der Organeiheit, zu ihrem Tod.
Besonders wichtig erscheint mir schließlich Reichs Hinweis, "Menschliche Organismen
mit niedriger orgonotischer Potenz oder starker Panzerung nehmen im Gegensatz zu gesunden Organismen, die Phänomene der Orgonenergie nicht leicht wahr."4 " Die Struktur des
Beobachters ist deshalb von Bedeutung, weil die organismische Orgonenergie in seinen Sinnesorganen auf die externen Orgonphänomene reagiert. Die Einbeziehung der Struktur des
Beobachters in die Einschätzung der Naturphänomene ist ein sehr bedeutsamer, wenn nicht sogar entscheidender Schritt vorwärts hin zur Integration des Subjektiven und des Objekltiven,
der Psyche und des Physischen."5
Meine Darstellung von Reichs Orgonenergietheorie zeigt, daß er sich von psychotherapeutischen
Fragestellungen sehr weit entfernt hat und schließlich in der experimentellen oder gar theoretischen Physik gelandet ist. Haben diese naturwissenschaftlichen Arbeiten für die
Körpertherapie noch irgendeine Bedeutung?
1. Unabhängig von der Relevanz seiner energetischen Theorien muß festgestellt werden, daß sein
ursprüngliches Ziel, die psychischen Prozesse in physiologischen Kategorien zu beschreiben von der Psychotherpie, auch von der Körperpsychotherapie in keiner Weise erreicht ist. Im
Gegenteil. Es wird nach wie vor, in manchen Körpertherapieschulen sogar verstärkt, ignoriert.
Gegenstand der Psychotherapie ist die Psyche, sind die psychischen Prozesse im Menschen. Dabei wird die
Psyche als spezifische Einheit, als abgegrenzte Realität behandelt, wie einzelne menschliche Organe. Es gibt die Leber, das Herz, das Nervensystem und die Psyche. Deshalb gibt es
organische und psychische Störungen des Menschen. Völlig übersehen wird dabei aber, daß es das Psychische gar nicht in der Weise gibt, wie es die menschlichen Organe gibt. Psychische
Phänomene kennen wir nur als Ausdruck, als Produkt körperlicher Prozesse. Ob ein Mensch traurig ist, wissen wir nur, wenn er seine Gesichtsmuskeln, seine Körperhaltung, seine Stimme
so verändert, daß unsere Augen, Ohren, unser Nervensystem dies als Trauer diagnostiziert. Psychotherapie arbeitet daher mit dem Ausdruck und der Wahrnehmung von Vorstellungen und
Bildern, die der Körper produziert. Aber es handelt sich immer um physiologische und neurologische Prozesse.
Psychische Prozesse als Körperliche und Physiologische so ernst zu nehmen, wie Reich es getan hat,
könnte der Psychotherapie mächtige Impulse geben, würde allerdings auch eine Revolution bedeuten. -- Aber wer mag heute noch Revolutionen?
2. Reich kommt in seinen naturwissenschaftlichen Forschungen zu der Erkenntnis, daß der Ursprung
des Lebendigen und damit auch des Psychischen, Energie und energetische Prozesse sind.
Diese Einsicht gehört heute zu den selbstverständlichen Annahmen der modernen Physik. Seit
Einsteins Formulierung des Satzes von der Erhaltung der Energie ist klar, daß es in diesem Universum nichts anderes gibt als Energie. Alles, auch Stein, Tisch und Stuhl bestehen aus
Energie, sind Energie in bestimmten Zustandsformen. Dabei ist Energie eindeutig als elektrische Energie definiert.
Pychotherapie, ob nun mit dem Körper gearbeitet wird oder mit der Sprache, versucht immer, das
energetische System Mensch in irgendeiner Weise zu beeinflussen.
Um dies möglichst effizient tun zu können, muß der Therapeut wissen, wie energetische Systeme
funktionieren, wie er sie messen und modifizieren kann. Wichtig ist nicht nur der Ausdruck des Systems in Form von Gefühlen und Stimmungen, sondern auch, was sich hinter den Kulissen
auf der physiologischen, der neurologischen und möglicherweise auch auf der subatomaren Ebene abspielt.
3. Reich beschreibt seine Orgonenergie als kosmische Energie, die für alles Lebendige
verantwortlich ist und will sie auch mit den verschiedensten Methoden beobachtet und gemessen haben.
Ich habe schon erwähnt, daß er sie selbst in vieler Hinsicht mit dem Äther vergleicht, dem seit
Jahrhunderten ähnliche Eigenschaften zugeschrieben wurden. Unter diesem Aspekt gibt es viele Systeme mit unterschiedlichen Namen und ähnlichen Bedeutungen, z.B. das Chi in
der traditionellen chinesischen Medizin, Prana im indischen Gesundheitssystem, Od, in Reichenbachs Energiesystem im vorigen Jahrhundert in Deutschland und vielleicht noch einige
andere. Alle werden wissenschaftlich skeptisch bewertet, weil ihnen der experimentelle Nachweis fehlt.
Wenn wir aber akzeptieren, daß das Psychische Ausdruck körperlichen Geschehens ist, uns dann mit
Struktur und Funktionsweise des Wesens Mensch auseinandersetzen, dann stoßen wir auch auf die Tatsache, daß der Organismus nicht nur aus Organen und ihren physiologischen
Zusammenhängen besteht, jedes Organ nicht nur aus Zellen, sondern auch aus Molekülen, Atomen und deren vielfältiger Teilchen u.a. auch aus Elektronen und Photonen. Daß dieses
subatomare Reich ein sehr differenziertes Eigenleben führt mit den unterschiedlichsten Interaktionsprozessen, kann ich hier nicht näher beschreiben. Doch in diesem Bereich begegnen
wir den energetischen, also elektrischen Prozessen pur. Ich denke, kein Körpertherapeut kann einen verkrampften Muskel lockern, ohne mit seinen Interventionen nicht auch diesen
subatomaren Bereich zu berühren.
Betrachtet man die Eigenschaften dieser subatomaren Teilchen, dann zeigen die Photonen
Verhaltensweisen, die der kosmischen Orgonenergie von Reich sehr ähnlich sind.
Völlig unabhängig von Reichs Gedanken hat sich ein eigenes Forschungsgebiet in der
naturwissenschaftlichen Welt entwickelt, das genau die Wirkung dieser Photonen in lebenden Organismen untersucht. Es ist die Biophotonenforschung mit ihrem wichtigsten Vertreter in
Deutschland, mit Fritz-Albert Popp. Popp spricht von Biophotonen, weil er sich mit lebendigen Systemen beschäftigt, strukturell sind sie aber mit den Photonen des subatomaren
Bereichs identisch.
Popp konnte experimentell nachweisen, daß diese Photonen in lebenden Organismen mit einer bestimmten
Frequenz strahlen, daß durch diese ultraschwache Strahlung andere Photonen angeregt, in eine verstärkte Schwingung versetzt werden. Angeregt wird diese Strahlung auch durch
Lichtquellen außerhalb des biologischen Systems.
Es handelt sich dabei um eine sehr schwache Strahlung im Spektrum des ultravioletten Lichts.
Biologische Strukturen sind nun aber in der Lage, diese Strahlung in einer Intensität zu speichern und zu bündeln, daß man sie als die effektivsten Laserstrahler bezeichnen muß, die es
überhaupt gibt. Die Biophotonenforschung konnte nun schon sehr eindrucksvoll zeigen, daß lebendige Organismen diese Strahlung offensichtlich benutzen zur Steuerung vieler ihrer
Lebensprozesse. Es scheint sich um ein Kommunikationssystem zu handeln, das unhabhängig von den bisher bekannten Soffwechselsystemen existiert. Das würde bedeuten, daß der Mensch
wesentliche Lebensprozesse mit Photonen, also mit elektrischer Energie steuert. Da diese Photonen aber auf ganz bestimmten Frequenzen strahlen, kann man sagen, daß es eine Steuerung
mit Licht ist, Licht das in den biologischen Strukturen gespeichert ist und dem Organismus immer wieder von außen zugeführt werden muß.
Reichs Interesse an einer kosmischen Energie, die alle Lebensprozesse ermöglicht und steuert wird auch
heute noch von vielen Wissenschaftlern geteilt, von experimentell arbeitenden Naturwissenschaftlern, die wenig Interesse daran haben, die Wirklichkeit mit spekulativen oder gar
wahnhaften Kozepten zu fliehen.
Das Einzige, was wir tun können, wenn uns diese Entwicklungen nicht in unser geistig - psychisches
Weltbild passen, ist , sie zu ignorieren .
Literatur:
Boadella, David, Wilhelm Reich, Leben und Werk, Scherz, 1981
Reich, Wilhelm, Äther, Gott und Teufel, Nexus, 2.Auflage 1984
Downing, George; Körper und Wort in der Psyhotherapie; Kösel, 1996
Freud,Sigmund;Aus den Anfängen der Psychoanalyse; Stud, Bd1
Puner, Helen; Freud, His Life and Mind; New York, 1947
Popp, Fritz-A.; Biologie des Lichts; Paul Parey, 1984
Bischof, Marco; Biophotonen, Das Licht in unseren Zellen; Zweitausendeins, 1995
Reich, Wilhelm; Äther, Gott und Teufel; Nexus, 2.Auflage 1984
Anmerkungen:
1. Freud,Sigmund; Aus den Anfängen der Psychoanalyse; Stud, Bd1, S.377
2. Puner, Helen, Freud. His Life and Mind, New York, 1947
3. Reich, Wilhelm; Äther, Gott und Teufel; Nexus, 2.Auflage 1984, S.163
4..Reich, Wilhelm; Äther, Gott und Teufel; Nexus, 2.Auflage 1984, S.167
5. Reich, Wilhelm; Äther, Gott und Teufel; Nexus, 2.Auflage 1984, S.168